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  • Laurin & Sami

Mittendrin, statt nur dabei! (Gänsehaut pur)


Normalerweise handelt sich ein Blogbeitrag bei uns um mehrere Tage, bzw. Wochen. Doch dieses Mal nur um einen Tag. Es gab bisher in unserem ersten Monat auf Reise keinen Moment, in dem wir richtig geschwitzt haben, doch dieses Ereignis hat uns Gänsehaut bereitet und unser Herz 180 schlagen lassen. Es lässt sich nur schwer in Worte fassen, doch wir möchten es hiermit versuchen.

Alles hat begonnen wie jeder Tag auch. Wir steigen auf die Motorräder und fahren einfach los. Wir haben bei iOverlander nach einem vielversprechenden Platz geschaut und direkt dorthin navigiert (Didim [Türkei]). Strand hat uns beiden gut gefallen.

Nach einer ewig langen Buckelpiste, dann endlich am Stand angekommen. Hier gefiel es uns so richtig gut und haben sogar überlegt zwei Tage zu bleiben. Zelt aufgebaut, Kaffee kochen… wie gewohnt in den Abend hineinleben und genießen. Wie es so üblich ist kam auch mal ein Auto vorbei, nur komisch, dass die Leute nicht mal zurückwinkten wie es sonst immer der Fall ist.


Ein Schlafplatz zum Seele baumeln lassen... von wegen...

Beim Abendessen kochen, kam aus dem heiteren Himmel ein Mann mittleren Alters vorbei und fragte was wir hier machen und woher wir kommen, da wir hier bereits gesehen wurden. „Na aus Deutschland und wir campen!“. Mit gebrochenem Englisch fragte er, ob wir Syrien kennen und gleich Menschen von dort an unserem Camp vorbeilaufen werden, um mit dem Boot weiter zu fahren. Er bat uns nicht die Polizei zu rufen, damit keine Panik ausbreche. Da hat es bei uns „Klick“ gemacht und wir nickten ab und gingen auf seine Bitte ein, denn mit Schleusern wollten wir uns nicht anlegen. Er pfiff, rief etwas in die Ferne und ging davon.

Circa fünf Minuten später tauchten hinter den Büschen circa 15 Männer, Kinder und Frauen mit Babys und vollgepackten Taschen und Tüten auf. Sie liefen an unserem Camp vorbei… Wir waren sprachlos und verspürten Gänsehaut wie nie zuvor. So etwas kannten wir nur aus dem Fernseher, doch wir waren nun mittendrin. Wir fragten uns warum ausgerechnet hier Geflüchtete unser Camp passieren und aufs Boot umsteigen wollen. Ein Blick ins Navi… Griechenland ist nicht weit! Sie müssen nur noch übers Wasser.

Plötzlich heulte in der Nachbarbucht ein Motor auf. Laurin lief los, schaute hinüber... Ein Schlauchboot voller Menschen raste los. Es war jedoch zu klein, um alle mitzunehmen. Der Rest stand noch in der Bucht.


uns fehlen die Worte

Weiterhin sprachlos und mit Gänsehaut kochten wir weiter. Laurin schaute nach einiger Zeit nochmal in die Nachbarbucht, die Menschen waren noch immer dort… Es wurde bereits dunkel und wir waren uns sicher, bald ein weiteres Boot hören zu können, doch es kam nichts.

Wir verkrochen uns ins Zelt, spielten noch eine Runde Karten und gingen gegen 23:00 schlafen.


Die Nachbarbucht

Die Uhr schlägt 01:21, Laurin weckte Sami mit bitteren Schlägen in die Seite. Autos waren im Anmarsch! Plötzlich wurde es hell im Zelt. Das Auto fing an zu hupen, gab immer wieder Lichthupe aufs Zelt. Dann kamen Schreie hinzu „COME OUT, COME OUT“. Laurin packte das Messer, öffnete das Innenzelt und lunste durch das Vorzelt. Hektik brach aus.

Der Blick schweifte auf ein Paar Schuhe, die Beine hinauf mitten in den Lauf eines Maschinengewehrs, welches ein angsteinflößender Mann in schwarzer Kleidung im Anschlag hielt. Laurin lies das Messer hinter seinem Rücken fallen, fauchte zu Sami: „Bleib IM Zelt“. Da stand er mit erhobenen Händen und langer Unterhose vor 5 bewaffneten angsteinflößenden schreinenden Männern. Als einer der Männer „Police“ schrie machte sich irgendwie Erleichterung breit. Die Männer hörten nicht auf zu schreien und fragten was wir hier machen: „Camping, Camping! We are from Germany!“.

„It’s dangerous here!!!“ schrie der eine Mann. Als Sami dann doch aus dem Zelt schaute und „Why“ fragte wurde es wieder hektisch, als wäre es nicht eh schon stressig genug gewesen. Sie dachten wohl Sami wäre eine der Geflüchteten. Sie fing an sich zu erklären, warum sie so aussieht, wie sie aussieht: „I’m from Kuba, but I live in Germany“. „PASSPORT! PASSPORT!“. Wir suchten hektisch unseren Personalausweis und gaben ihn den Männern.

Einer der Männer fragte, ob wir Frauen und Kinder hier gesehen haben. Wir hatten natürlich „nichts“ gesehen. Sie ließen letztendlich von uns ab und liefen zurück zum Auto, wobei einige mit Taschenlampen weiter durch die Büsche streiften. Die Männer waren ohne Zweifel auf der Suche nach den Geflüchteten. Nur komisch, dass diese in weißen Transportern und in zivil unterwegs waren.

Wir verkrochen uns erneut ins Zelt, nur dass wir dieses Mal kein Auge mehr zudrücken konnten. Kurze Zeit später wurde von den angeblichen Polizisten ein Schuss abgegeben. Wir zuckten erschrocken zusammen. „Verdammt wo sind wir hier reingeraten… In einer Hetzjagd gegen Menschen?“. Es lief uns eiskalt den Rücken runter… Später in der Nacht (03:20) fing ein Mensch in der Nähe zu jaulen/jodeln an. Dies löste eine Kettenreaktion aus und überall um das Zelt jodelten für kurze Zeit Menschen. Es fühlte sich an, als wären diese mitten im Zelt. Genau dieses Jaulen hörten wir insgesamt dreimal, wobei es sich stetig entfernte.

Circa eine weitere Stunde später hörten wir einen Helikopter, der über uns flog und wahrscheinlich die Fläche absuchte…

Als es dann endlich hell wurde fühlten wir uns wieder sicher. Kochten Kaffee und versuchten das Erlebte zu verdauen. Es fühlte sich an, als wäre es ein schlechter Traum gewesen. So surreal.

Laurin ging auf Erkundungstour und entdeckte in der unmittelbaren Nähe einige ausgehobene Löcher. Ein paar Menschen würden hier Platz finden, um unentdeckt zu bleiben. Könnten die etwas damit zu tun haben?


Was hat es nur mit diesen Löchern auf sich?


Der Blick ging in den Horizont… dort, ein großer weißer Stein? „Der war gestern aber noch nicht da!“ Brille angezogen… Ein Auto? Kamera ausgepackt, herangezoomt… Und siehe da, wir werden beobachtet! Hat das denn kein Ende??? Laurin konnte es nicht glauben und ist Richtung Auto gelaufen, hat sich dann aber doch nicht ganz ran getraut. Wieder ein weißer Transporter, nur dieses Mal einiges auf dem Dach… Kameras, Radar…? Von da oben hatte das Auto einen perfekten Blick auf uns und den Strand auf der anderen Seite.

Als wir dann schnell zusammenpackten, um der Situation zu entfliehen, fuhr das Auto plötzlich weg. Wurden wir doch tatsächlich bis zum Schluss beobachtet…


Der große weiße Stein in der Ferne


Oh doch nicht!

Wir fuhren davon und können noch immer nicht glauben, was uns an diesem doch so wunderschönen Strand wirklich passiert ist.

Dieses Ereignis hat uns verdeutlicht, wie aktuell das Thema mit Flüchtenden noch immer ist. Wir sind schockiert miterlebt zu haben, wie Menschen gejagt werden. Wir waren mittendrin, statt nur dabei!

Trotz des Vorfalls sind wir heute wieder wildcampen. Wir haben gezeigt bekommen, wie man an Pinienkerne kommt, doch dazu in einem anderen Blogbeitrag mehr!

Wir sind dankbar für alle Erfahrungen, die wir machen dürfen. Negativ, wie positiv!


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